M371-Test
Informationen Für Ärzte
Der M371-Test ist ein IVDR-zertifizierter qPCR-Test für Diagnostik und Nachsorge von Keimzelltumoren aus Plasma oder Serum. Er misst miR-371a-3p und liefert Antworten, wo die klassischen Serumtumormarker keine klare Aussagen liefern: 92 % Sensitivität und 96 % Spezifität in der Primärdiagnostik, 100 % und 96 % in der Rezidiverkennung. Aus Unsicherheit wird eine Entscheidungsgrundlage.
M371-Test
Wann kann der M371-Test eingesetzt werden?
- Kleine Hodenläsionen: Entscheidungshilfe zwischen Exzision und Orchiektomie
- Nachsorge: zuverlässige Rezidiverkennung, weniger Bildgebung
- Staging: Abklärung unklarer Lymphadenopathie
- Unklare Markerlage: bei falsch-positiven AFP-, beta-hCG-, LDH-Werten
- Residualtumor nach Chemotherapie: besonders beim Seminom
Präanalytik
notwendiges Material zur Durchführung
Plasma: S-Monovette cfDNA Exact
Die Blutabnahme für den M371-Test muss bei Nutzung von Plasma mithilfe von Standardbesteck in die S-Monovette cfDNA Exact von Sarstedt erfolgen. Die Präparierung der Monovette stabilisiert die miRNAs zuverlässig. Das Plasma muss vor dem Probenversand nicht separiert werden.
Serum: S-Monovette Serum Gel CAT
Zur Verwendung von Serum für den M371-Test empfiehlt mir|detect die S-Monovette Serum Gel CAT von Sarstedt. Die Blutabnahme erfolgt mithilfe von Standardbesteck. Das Serum muss vor dem Versand separiert werden. Es können auch andere gängige Röhrchen zur Serumgewinnung verwendet werden.
Wichtige Tipps für die Präanalytik
- Für Plasma darf ausschließlich die S-Monovette cfDNA Exact verwendet werden. Einzelne Röhrchen sind auf Anfrage erhältlich.
- Es wird empfohlen, Kanülen der Größe 20G oder 21G zu verwenden, um das Risiko einer Hämolyse zu verringern.
- Die Monovette muss vollständig bis zur Markierung befüllt werden.
- Hämolytische Proben können zu falsch-negativen Ergebnissen führen. Sichtbar hämolytische Proben sollten verworfen werden.
- Vollblut für den M371-Test darf nicht eingefroren werden. Vollblut in der S-Monovette cfDNA Exact darf nicht gekühlt werden.
Ablauf
Wie Funktioniert die Testdurchführung?
M371-Test aus Plasma
- Blutabnahme: Es müssen ca. 9,2 ml venöses Blut in eine S-Monovette cfDNA Exact (Sarstedt; Best.-Nr. 01.2040.001) entnommen werden.
- Lagerung und Versand: Vollblut in der S-Monovette cfDNA Exact kann bei Raumtemperatur versendet werden. Die miRNAs sind in der Monovette bis zu 48 Stunden stabil.
- Analyse im Labor: Das Labor gewinnt das Plasma, extrahiert die miRNA und führt den M371-Test durch. Die Testdurchführung dauert etwa einen Arbeitstag.
- Laborbefund: Der Befund enthält das qualitative Ergebnis (positiv, negativ oder nicht eindeutig). Der Befund wird meist innerhalb einer Woche dem behandelnden Arzt zur Verfügung gestellt.
M371-Test aus Serum
- Blutabnahme: Es müssen ca. 9,0 ml venöses Blut in ein Serum Gel-Röhrchen mit Gerinnungsaktivator entnommen werden. mir|detect empfiehlt die Verwendung der S-Monovette Serum Gel CAT (Sarstedt; Best.-Nr. 02.1388.001).
- Serumgewinnung: Die entnommene Probe muss für 30 bis 40 Minuten zur Gerinnung aufrecht bei Raumtemperatur gelagert werden. Anschließend muss die Probe für 10 Minuten bei 2.500 x g zentrifugiert und das Serum abgenommen werden.
- Lagerung und Versand: Serum kann bei -20°C bis zu 16 Tage oder für längere Lagerung bei -80°C eingefroren werden. Der Versand muss gefroren mit Trockeneis oder geeigneten Kühlakkus erfolgen. Die miRNAs sind beim Transport bis zu 90 Stunden bei Temperaturen von unter 0°C stabil.
- Analyse im Labor: Das Labor extrahiert die miRNA aus dem Serum und führt den M371-Test durch. Die Testdurchführung dauert etwa einen Arbeitstag.
- Laborbefund: Der Befund enthält das qualitative Ergebnis (positiv, negativ oder nicht eindeutig). Der Befund wird meist innerhalb einer Woche dem behandelnden Arzt zur Verfügung gestellt.
Evidenz
Wo finde ich die klinische Evidenz?
Die klinische Leistung des M371-Tests ist durch die zwei richtungsweisenden, prospektiven Zulassungsstudien von Dieckmann et al. (2019) und Belge et al. (2024) sowie zahlreiche weitere unabhängige Studien belegt.
Primärdiagnostik
Dieckmann et al. (2019) untersuchten in einer prospektiven Studie an 37 Zentren in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn und Italien das Serum von 522 Patienten mit Keimzelltumor und 258 Kontrollen. Der M371-Test erreichte in der Primärdiagnostik eine Sensitivität von 91,8 % Sensitivität und eine Spezifität von 94,0 %, bei einem positiven prädiktiven Wert von 97,2 %. AFP, beta-hCG und LDH blieben beim Seminom unter 50 % Sensitivität. Eine Einschränkung nennt die Studie allerdings klar: reine Teratome exprimieren miR-371a-3p nicht.
Bei 118 Patienten mit systemischer Erkrankung wurde zudem unter Chemotherapie seriell gemessen. Schon nach dem ersten Zyklus fiel der Marker signifikant ab. Bei den 70 Patienten im Stadium IIa/b brachten weitere Zyklen keinen signifikanten Rückgang mehr. Im Stadium III (n = 46) folgte ein zweiter signifikanter Abfall nach dem zweiten Zyklus, danach blieb der Spiegel stabil. Die Marker-Spiegel korrelierten zudem mit Stadium, Tumorgröße und Therapieansprechen. Bei Rezidiven war der Marker erhöht und normalisierte sich in Remission.
Nachsorge
Belge et al. (2024) begleiteten 258 Patienten im klinischen Stadium I prospektiv an 23 urologischen Zentren in Deutschland, Österreich und Italien, über median 18 Monate und mit 1.179 Einzelmessungen. 39 Patienten erlitten ein Rezidiv. Der M371-Test erkannte alle 39, bei einer Spezifität von 96,3 %. beta-hCG kam auf 35,5 % Sensitivität, AFP auf 25,0 %, beide Marker zusammen auf 45,2 %.
Der negative prädiktive Wert lag bei 100 %, der positive bei 83 %. Acht der 219 rezidivfreien Patienten hatten erhöhte Werte, lagen dabei aber deutlich niedriger als die bestätigten Rezidive (RQ 37,6 gegenüber 153,7 im Median). Bei 11 der 39 Rezidive (28 %) stieg die miR-371a-3p drei bis 15 Monate vor dem Nachweis durch Bildgebung oder klassische Marker an. Im Median lag der Zeitpunkt der Rezidivdiagnose bei beiden Wegen bei sechs Monaten. Erhöhte Werte unmittelbar nach Orchiektomie sagten kein späteres Rezidiv voraus.
Eine unabhängige Schweizer Kohorte bestätigt diese Befunde. Fankhauser et al. (2024) begleiteten 34 Patienten im Stadium I unter Active Surveillance mit 108 Messungen, davon 18 Seminome und 16 Nichtseminome. Alle 10 aufgetretenen Rezidive wurden erkannt. Die Autoren bestätigten den Schwellenwert von RQ 15 als optimal für die Rezidiverkennung. Falsch positive Werte normalisierten sich in beiden Studien meist bei der nächsten Messung. Beide Arbeitsgruppen empfehlen daher, einen erhöhten Wert vor weiteren Schritten durch eine zweite Messung zu bestätigen.
Klinische Leistung des M371-Tests
1 n = 522 Patienten; 258 Kontrollen (Dieckmann et al., 2019; https://doi.org/10.1200/jco.18.01480)
2 n = 258 Patienten (Belge et al., 2024; https://doi.org/10.1158/1078-0432.ccr-23-0730)
Klassische Marker: AFP (α-fetoprotein), bHCG (β-subunit of human chorionic gonadotropin) und LDH (lactate dehydrogenase)
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