M371-Test

Informationen Für Ärzte

Der M371-Test ist ein IVDR-zertifizierter qPCR-Test für Diagnostik und Nachsorge von Keimzelltumoren aus Plasma oder Serum. Er misst miR-371a-3p und liefert Antworten, wo die klassischen Serumtumormarker keine klare Aussagen liefern: 92 % Sensitivität und 96 % Spezifität in der Primärdiagnostik, 100 % und 96 % in der Rezidiverkennung. Aus Unsicherheit wird eine Entscheidungsgrundlage.

M371-Test

Wann kann der M371-Test eingesetzt werden?

Präanalytik

notwendiges Material zur Durchführung

Plasma: S-Monovette cfDNA Exact

Die Blutabnahme für den M371-Test muss bei Nutzung von Plasma mithilfe von Standardbesteck in die S-Monovette cfDNA Exact von Sarstedt erfolgen. Die Präparierung der Monovette stabilisiert die miRNAs zuverlässig. Das Plasma muss vor dem Probenversand nicht separiert werden.

Serum: S-Monovette Serum Gel CAT

Zur Verwendung von Serum für den M371-Test empfiehlt mir|detect die S-Monovette Serum Gel CAT von Sarstedt. Die Blutabnahme erfolgt mithilfe von Standardbesteck. Das Serum muss vor dem Versand separiert  werden. Es können auch andere gängige Röhrchen zur Serumgewinnung verwendet werden.

Wichtige Tipps für die Präanalytik

Ablauf

Wie Funktioniert die Testdurchführung?

M371-Test aus Plasma

M371-Test aus Serum

Evidenz

Wo finde ich die klinische Evidenz?

Die klinische Leistung des M371-Tests ist durch die zwei richtungsweisenden, prospektiven Zulassungsstudien von Dieckmann et al. (2019) und Belge et al. (2024) sowie zahlreiche weitere unabhängige Studien belegt.

Primärdiagnostik

Dieckmann et al. (2019) untersuchten in einer prospektiven Studie an 37 Zentren in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn und Italien das Serum von 522 Patienten mit Keimzelltumor und 258 Kontrollen. Der M371-Test erreichte in der Primärdiagnostik eine Sensitivität von 91,8 % Sensitivität und eine Spezifität von 94,0 %, bei einem positiven prädiktiven Wert von 97,2 %. AFP, beta-hCG und LDH blieben beim Seminom unter 50 % Sensitivität. Eine Einschränkung nennt die Studie allerdings klar: reine Teratome exprimieren miR-371a-3p nicht.

Bei 118 Patienten mit systemischer Erkrankung wurde zudem unter Chemotherapie seriell gemessen. Schon nach dem ersten Zyklus fiel der Marker signifikant ab. Bei den 70 Patienten im Stadium IIa/b brachten weitere Zyklen keinen signifikanten Rückgang mehr. Im Stadium III (n = 46) folgte ein zweiter signifikanter Abfall nach dem zweiten Zyklus, danach blieb der Spiegel stabil. Die Marker-Spiegel korrelierten zudem mit Stadium, Tumorgröße und Therapieansprechen. Bei Rezidiven war der Marker erhöht und normalisierte sich in Remission.

Nachsorge

Belge et al. (2024) begleiteten 258 Patienten im klinischen Stadium I prospektiv an 23 urologischen Zentren in Deutschland, Österreich und Italien, über median 18 Monate und mit 1.179 Einzelmessungen. 39 Patienten erlitten ein Rezidiv. Der M371-Test erkannte alle 39, bei einer Spezifität von 96,3 %. beta-hCG kam auf 35,5 % Sensitivität, AFP auf 25,0 %, beide Marker zusammen auf 45,2 %.

Der negative prädiktive Wert lag bei 100 %, der positive bei 83 %. Acht der 219 rezidivfreien Patienten hatten erhöhte Werte, lagen dabei aber deutlich niedriger als die bestätigten Rezidive (RQ 37,6 gegenüber 153,7 im Median). Bei 11 der 39 Rezidive (28 %) stieg die miR-371a-3p drei bis 15 Monate vor dem Nachweis durch Bildgebung oder klassische Marker an. Im Median lag der Zeitpunkt der Rezidivdiagnose bei beiden Wegen bei sechs Monaten. Erhöhte Werte unmittelbar nach Orchiektomie sagten kein späteres Rezidiv voraus.

Eine unabhängige Schweizer Kohorte bestätigt diese Befunde. Fankhauser et al. (2024) begleiteten 34 Patienten im Stadium I unter Active Surveillance mit 108 Messungen, davon 18 Seminome und 16 Nichtseminome. Alle 10 aufgetretenen Rezidive wurden erkannt. Die Autoren bestätigten den Schwellenwert von RQ 15 als optimal für die Rezidiverkennung. Falsch positive Werte normalisierten sich in beiden Studien meist bei der nächsten Messung. Beide Arbeitsgruppen empfehlen daher, einen erhöhten Wert vor weiteren Schritten durch eine zweite Messung zu bestätigen.

Klinische Leistung des M371-Tests

1 n = 522 Patienten; 258 Kontrollen (Dieckmann et al., 2019; https://doi.org/10.1200/jco.18.01480)
2 n = 258 Patienten (Belge et al., 2024; https://doi.org/10.1158/1078-0432.ccr-23-0730)
Klassische Marker: AFP (α-fetoprotein), bHCG (β-subunit of human chorionic gonadotropin) und LDH (lactate dehydrogenase)

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